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Vergleich der Werkstoffeigenschaften

Werkstoffeigenschaften

Wälzlagerstahl

Siliziumnitrid

Druckfestigkeit (MPa)

-2.300

3.000

Zugfestigkeit (MPa)

-1.900

800

Elastizitätsmodul (kN/mm2)

210

310

Härte HV10 (kg/mm2)

700

1.600

Elekrischer Widerstand (Ωm)

0,4xx10-6(Leiter)

1012(Isolator)

Dichte (g/cm3)

7,9

3,2

Längenausdehnungskoeffizient (10-6/K)

11,7

3

Einteilung der Keramik

Keramik unterteilt man in Gebrauchskeramik (Silicatkeramik), technische bzw. Ingenieurskeramik (Oxidkeramik und Nichtoxidkeramik) sowie Mischkeramik (Cerments). Für den Einsatz in Kugellagern kommen überwiegend nichtoxidische keramische Werkstoffe wie Siliziumnitrid Si3N4 zum Einsatz. Der Vorteil liegt in einer für Keramik sehr hohen Bruchfestigkeit und Thermoschockbeständigkeit. Da Si3N4 auf Grund seiner Verarbeitbarkeit und überragenden Eigenschaften im Wälzlager auch heute noch die am häufigsten eingesetzte Keramik ist, beziehen wir uns im Folgenden auf diese Art von Keramik.

Vorteile von Siliziumnitrid im Vergleich zu Wälzlagerstahl

Siliziumnitrid (Si₃N₄) besitzt mit etwa 3,2 g/cm³ nur rund 40 % der Dichte von Wälzlagerstahl mit circa 7,9 g/cm³. Wälzkörper aus Siliziumnitrid sind damit etwa 60 % leichter als vergleichbare Stahlwälzkörper. In Hybridlagern, bei denen ausschließlich die Wälzkörper aus Keramik bestehen, führt dies je nach Baugröße und Lagerbauart zu einer Reduktion des Gesamtlagergewichts von bis zu etwa 10 %. Die deutlich niedrigere Masse der Wälzkörper führt insbesondere mit wachsender Drehzahl über reduzierte Massenkräfte zu einer verbesserten Lagerkinematik. Dadurch verringern sich die wirkenden Zentrifugalkräfte proportional, was die Laufbahnen entlastet und zusätzliche dynamische Belastungen im Lager reduziert. Gleichzeitig sinken beispielsweise die Trägheitsmomente der Wälzkörper, wodurch Schlupf-Effekte vermindert und ein stabilerer Lauf begünstigt werden. Dies trägt zu geringeren Reibungsverlusten, reduzierter Wärmeentwicklung und einer verbesserten Eignung von Hybridlagern für Hochdrehzahl- und hochdynamische Anwendungen bei.

Siliziumnitrid (Si₃N₄) weist mit einem Elastizitätsmodul von etwa 300–320 GPa ein im Vergleich zu Wälzlagerstahl mit rund 200–210 GPa um etwa 50 % höheres Elastizitätsmodul auf. Diese höhere Steifigkeit führt im Wälzkontakt zu geringeren elastischen Verformungen und damit zu kleineren Kontaktellipsen unter Last. Die reduzierte Nachgiebigkeit bewirkt eine stabilere Kontaktgeometrie, was sich positiv auf die Lagerkinematik, die Laufgenauigkeit und das dynamische Verhalten auswirkt.

Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass die kleinere Kontaktellipse nicht zu einer Erhöhung der nominellen Tragzahlen führt. Die Tragfähigkeit eines Wälzlagers wird maßgeblich durch die maximal zulässigen Kontaktspannungen bestimmt, die bei kleineren Kontaktflächen tendenziell höher ausfallen. In bestimmten Anwendungen kann eine breitere Kontaktellipse, wie sie bei elastisch nachgiebigeren Werkstoffen entsteht, sogar vorteilhaft sein, da sie zu einer günstigeren Spannungsverteilung im Kontakt führt.

Der Vorteil des höheren Elastizitätsmoduls von Siliziumnitrid liegt daher weniger in einer rechnerischen Erhöhung der statischen oder dynamischen Tragzahl, sondern in den daraus resultierenden Effekten im realen Betrieb. Die steifere Ausprägung des Wälzkontakts führt zu einer gleichmäßigeren Lastführung über den Kontakt, vermindert elastisch bedingte Relativbewegungen und reduziert Mikroschlupf im Kontaktbereich. Insbesondere unter dynamischen Lasten, hohen Drehzahlen oder bei eingeschränkter Schmierung kann dies zu einem stabileren tribologischen Verhalten beitragen, wodurch Reib- und Verschleißmechanismen reduziert und die Betriebsstabilität sowie die effektive Lebensdauer von Hybridlagern verbessert werden.

Hybridlager mit Wälzkörpern aus Siliziumnitrid (Si₃N₄) bieten entscheidende Vorteile in Anwendungen mit elektrischen Strömen im Lager, wie sie insbesondere bei frequenzgeregelten Antrieben und Umrichtersystemen auftreten. In solchen Systemen können pulsweitenmodulierte Spannungen hochfrequente Lagerströme verursachen, die sich über den kürzesten elektrischen Weg zwischen Innen- und Außenring durch den Wälzkontakt entladen. Dies führt zu elektrischer Erosion an Laufbahnen und Wälzkörpern, zur Schädigung des Schmierstoffs sowie zu erhöhten Schwingungs- und Geräuschpegeln.

Ab Stromdichten von etwa 0,1 A/mm² ist mit der Bildung von Schmelzkratern und einer deutlichen Reduzierung der Lager- und Schmierstofflebensdauer zu rechnen.


Der Einsatz von Hybridlagern unterbricht diesen Strompfad wirkungsvoll. Siliziumnitrid ist ein elektrisch isolierender Werkstoff und verhindert den Stromdurchgang zwischen den Lagerringen auch bei sehr hohen Frequenzen. Dadurch werden elektrische Schäden am Wälzkontakt vermieden und sowohl Lager als auch Schmierstoff nachhaltig geschützt.

Zu berücksichtigen ist jedoch, dass Schmierstoffe, Dichtungen und Verunreinigungen wie metallischer Abrieb, Additive oder Feuchtigkeit eine gewisse elektrische Leitfähigkeit aufweisen können. In Hybridlagern selbst findet kein Stromdurchgang über die Wälzkörper statt, geringe Restströme über angrenzende Komponenten sind jedoch anwendungsabhängig möglich.

In Anwendungen, bei denen elektrische Ströme nicht nur das Lager, sondern auch angrenzende elektronische Komponenten beeinträchtigen oder vollständig verhindert werden müssen, sind weitergehende Maßnahmen erforderlich. Hier kommen zusätzlich elektrisch isolierte Innen- oder Außenringe, spezielle Beschichtungen oder konstruktive Anpassungen des Gesamtsystems zum Einsatz. Hybridlager bilden in solchen Fällen eine zentrale Grundlage für individuell ausgelegte, elektrisch sichere Lagerlösungen.

Der Bereich minimaler Reibung unter stabiler Vollfilmschmierung wird in der Praxis häufig als tribologischer „Sweet Spot“ bezeichnet, also als Betriebszustand mit maximaler Effizienz bei gleichzeitig minimalem Verschleißrisiko.

Hybridlager mit Wälzkörpern aus Siliziumnitrid (Si₃N₄) erreichen diesen optimalen Betriebsbereich früher und halten ihn über einen größeren Betriebsbereich stabiler als konventionelle Wälzlager mit Stahl-Stahl-Kontakt. Ursache hierfür ist das Zusammenwirken mehrerer mechanischer, tribologischer und thermischer Effekte. Die geringere Dichte von Siliziumnitrid reduziert Zentrifugalkräfte und dynamische Lastspitzen, wodurch sich bereits bei niedrigeren Drehzahlen ein stabiler Schmierfilm ausbilden kann. Die hohe Oberflächengüte der Keramikwälzkörper verringert die erforderliche Mindestschmierfilmdicke, während die verbesserte Filmstabilität den Einsatz niedrigviskoser Schmierstoffe ermöglicht und so Reibverluste und Leistungsaufnahme reduziert. Gleichzeitig sorgt die geringe Wärmeleitfähigkeit von Siliziumnitrid für eine thermische Entkopplung des Kontakts, stabilisiert die Schmierstoffviskosität und reduziert Schwankungen des Reibungskoeffizienten. Die geringere Wärmeeinbringung in den Kontakt verhindert lokale Überhitzungen und einen Viskositätsabbau des Schmierfilms. Zudem führt die geringere thermische Ausdehnung der Wälzkörper zu einer höheren Betriebssicherheit der Lagerluft bei wechselnden Betriebstemperaturen.

Siliziumnitrid (Si₃N₄) weist mit einem linearen Wärmeausdehnungskoeffizienten von etwa 3,0–3,3 × 10⁻⁶ K⁻¹ nur rund 25–30 % der Wärmeausdehnung von Wälzlagerstahl auf. Dadurch verändern Wälzkörper aus Siliziumnitrid ihre Abmessungen bei Temperaturschwankungen deutlich weniger. Dies erhöht die Stabilität der Lagerluft, reduziert temperaturbedingte Vorspannungsänderungen und verbessert die Betriebssicherheit insbesondere bei wechselnden Betriebstemperaturen. Hybridlager reagieren dadurch insgesamt unempfindlicher auf thermische Belastungen und zeigen ein stabileres Laufverhalten über einen breiten Temperaturbereich.

Darüber hinaus zeichnet sich Siliziumnitrid durch eine außergewöhnlich hohe Wärme- und Festigkeitsstabilität aus. Selbst im Vergleich zu hochwarmfesten Stählen setzt ein nennenswerter Festigkeitsabfall erst bei Temperaturen ein, die mehr als doppelt so hoch liegen wie bei Wälzlagerstahl. Aus rein werkstofftechnischer Sicht sind daher Hochtemperaturanwendungen bis etwa 800 °C realisierbar. In der Praxis wird die maximal zulässige Einsatztemperatur von Standard-Hybridlagern jedoch in der Regel durch die verwendeten Käfig- und Ringwerkstoffe begrenzt.

Siliziumnitrid (Si₃N₄) zeichnet sich durch eine sehr hohe chemische Beständigkeit gegenüber wässrigen Medien, vielen Säuren und Laugen sowie gegenüber Feuchtigkeit aus. Im Gegensatz zu Wälzlagerstahl unterliegt Siliziumnitrid keinen elektrochemischen Korrosionsmechanismen wie Rostbildung oder Kontaktkorrosion. Dadurch bleiben Oberflächen- und Geometrieeigenschaften der Wälzkörper auch unter korrosiven Umgebungsbedingungen erhalten, was die Betriebssicherheit und Lebensdauer von Hybridlagern erhöht. Zusätzlich ist Siliziumnitrid nicht magnetisch, wodurch Hybridlager für Anwendungen in sensiblen elektromagnetischen Umgebungen, etwa in elektrischen Antrieben, Messsystemen oder der Medizintechnik, besonders geeignet sind.

Hybridlager erreichen aufgrund der spezifischen Werkstoffeigenschaften von Siliziumnitrid (Si₃N₄) in vielen Anwendungen deutlich längere Lebensdauern als konventionelle Wälzlager aus Stahl. Die Kombination aus hoher Härte und Steifigkeit, geringem Verschleiß, optimiertem Reibungsverhalten sowie hoher thermischer und chemischer Beständigkeit führt zu einer stabileren Ausprägung des Wälzkontakts über die gesamte Betriebszeit. Insbesondere unter erschwerten Betriebsbedingungen wie Mangelschmierung, hohen Drehzahlen, dynamischen Lasten oder erhöhten Temperaturen bleiben Oberflächen und Kontaktgeometrien länger erhalten.

Die Lebensdauersteigerung von Hybridlagern resultiert dabei weniger aus einer rechnerischen Erhöhung der nominellen Tragzahlen, sondern aus der Reduzierung verschleiß- und schädigungsrelevanter Mechanismen wie Mikroschlupf, adhäsivem Verschleiß, Oberflächenermüdung und tribochemischen Reaktionen. Dadurch zeigen Hybrid- und Vollkeramiklager insbesondere in realen Anwendungen eine höhere Zuverlässigkeit und eine verlängerte Gebrauchsdauer gegenüber Stahl-Stahl-Lagerungen.

Die Materialpaarung Keramik–Stahl verringert adhäsive Wechselwirkungen und Mikroverschweißungen im Wälzkontakt auch unter ungünstigen Schmierungsbedingungen oder bei hoher Belastung, wodurch Fressen und Blockieren wirksam vermieden werden.

Zusätzlich ist die abrasive Verschleißfestigkeit von Hybridlagern insbesondere bei Mangelschmierung und im Mischreibungsbereich deutlich erhöht. In der Praxis werden Lebensdauern erreicht, die im Mischreibungsbetrieb häufig um mehr als 70 % über denen konventioneller Stahllager liegen; bei Mangelschmierung und im Übergang zur Festkörperreibung sind in Einzelfällen noch deutlich höhere Steigerungen möglich. Ein wesentlicher Grund hierfür ist die hohe Verschleißbeständigkeit der Siliziumnitrid-Wälzkörper, durch die Oberflächenschädigungen verzögert entstehen und der Verschleißfortschritt insgesamt verlangsamt wird.

Selbstheilender Wälzkontakt bei Partikelbelastung

Hybridlager mit Wälzkörpern aus Siliziumnitrid (Si₃N₄) zeigen unter verschmutzten Betriebsbedingungen ein deutlich robusteres Schadensverhalten als konventionelle Stahl-Stahl-Lager. Gelangen feste Partikel in den Wälzkontakt, entstehen in den Stahl-Laufbahnen lokale Eindrücke mit aufgeworfenen Rändern. Während diese Kerben bei Stahlwälzlagern zu hohen lokalen Spannungen, Rissbildung und frühzeitigem Oberflächenschaden führen, bewirken die harten und sehr glatten Keramikwälzkörper in Hybridlagern eine plastische Glättung dieser erhabenen Kanten.

Durch diese Glättung werden lokale Spannungsspitzen an den Eindrückrändern deutlich reduziert, wodurch das Risiko von Rissinitiierung und Oberflächenabplatzungen sinkt. Anstelle irreversibler Schädigungen kommt es zu einem gleichmäßigen, milden Verschleiß der Stahlkomponenten, während die Keramikwälzkörper ihre glatte und verschleißfeste Oberfläche beibehalten. Untersuchungen zeigen, dass insbesondere unter dünnfilmiger Schmierung deutlich geringere Zugspannungen an den Eindrückrändern auftreten, was die Ermüdungs- und Rissgefahr weiter reduziert. Dieser Effekt wird zusätzlich durch den niedrigeren Grenzreibungskoeffizienten im Hybridkontakt begünstigt.

Dadurch können Hybridlager selbst bei erhöhter Partikelbelastung, unzureichender Schmierung oder erhöhter Oberflächenrauheit einen stabilen Betriebszustand aufrechterhalten. Die beschriebenen Mechanismen kompensieren die im Hybridkontakt höheren lokalen Kontaktspannungen über einen weiten Lastbereich und tragen wesentlich zu einer verlängerten Lebensdauer und erhöhten Betriebssicherheit unter anspruchsvollen Einsatzbedingungen bei.

Abmessungen und Maßhaltigkeit (Si3N4 – Kugeln)

Die Leistungsfähigkeit von Hybridlagern wird maßgeblich durch die außergewöhnlichen Oberflächen- und Geometrieeigenschaften der eingesetzten Siliziumnitrid-Kugeln (Si₃N₄) bestimmt. Aufgrund der homogenen Mikrostruktur mit sehr feiner Korngröße lassen sich Si₃N₄-Kugeln mit sehr glatten Oberflächen und äußerst engen geometrischen Toleranzen fertigen. Abhängig von der Güteklasse sind sowohl die Oberflächenrauheit als auch die Abweichungen von Kugeldurchmesser und sphärischer Form deutlich geringer als bei konventionellen Stahlkugeln.

In der Praxis resultiert dies in einer geringeren inneren Lagerreibung, reduziertem Käfig- und Laufbahnverschleiß, niedrigeren Betriebstemperaturen sowie einem insgesamt effizienteren Lagerbetrieb. Je nach Betriebszustand können die Reibverluste dabei deutlich reduziert werden.

Darüber hinaus minimiert die hohe geometrische Gleichmäßigkeit der Siliziumnitrid-Kugeln die Maß- und Formstreuung innerhalb eines Lagersatzes. Dies reduziert nichtperiodische Rundlaufanteile, Vibrationen und Geräuschentwicklung, die durch Unterschiede im Kugelumlauf entstehen können. Hybridlager zeigen dadurch im Vergleich zu konventionellen Stahlwälzlagern ein ruhigeres Laufverhalten und eine verbesserte dynamische Präzision, insbesondere in hochdrehenden und präzisionskritischen Anwendungen.

Güten

Abweichung Kugeldurchmesser (µm)

Abweichung von der sphärischen Form (µm)

Oberflächenrauhigkeit (µm)

Abweichung Kugellosdurchmesser (µm)

G3

0.08

0.08

0.010

0.13

G5

0.13

0.13

0.014

0.25

G10

0.25

0.25

0.020

0.5

G16

0.4

0.4

0.025

0.8

G20

0.5

0.5

0.032

1

G24

0.6

0.6

0.040

1.2

G28

0.7

0.7

0.050

1.4

G40

1

1

0.060

2

G60

1.5

1.5

0.080

3

Druckwinkel und Lagerkinematik bei Schrägkugellagern

Obwohl sich Keramikwälzkörper aufgrund ihres hohen Elastizitätsmoduls unter Last nur gering verformen, ergeben sich aus der kleineren Kontaktellipse im Hybridkontakt im dynamischen Betrieb keine relevanten Nachteile. Die reduzierte tragende Kontaktfläche, die sich infolge des hohen Elastizitätsmoduls einstellt, wirkt sich insbesondere bei hohen Drehzahlen nicht nachteilig aus, da die Fliehkräfte im Lager aufgrund der deutlich geringeren Dichte der Keramikwälzkörper erheblich reduziert sind. Hybridlager verfügen daher über vergleichbare dynamische Tragzahlen wie Stahllager. Lediglich bei rein statischer Belastung ohne Relativbewegung ergibt sich eine um etwa 15–20 % geringere statische Sicherheit, weshalb Hybridlager nicht für dauerhaft rein statische Lastfälle ausgelegt werden sollten.

Besonders bei Schrägkugellagern und Spindellagern mit einem Druckwinkel ungleich 0°, typischerweise größer als 15°, spielt die Dichte der Wälzkörper eine entscheidende Rolle für die Lagerkinematik. Im quasistatischen Betrieb bei sehr niedrigen Drehzahlen sind die Berührungswinkel zwischen Kugel und Innen- sowie Außenring nahezu identisch, sodass überwiegend reines Rollen vorliegt. Mit steigender Drehzahl wirken jedoch zunehmende Fliehkräfte auf die Wälzkörper, wodurch sich die effektiven Druckwinkel insbesondere am Innenringkontakt verändern. Dies führt zu zusätzlichen Spin- und Gleitbewegungen, einer Vergrößerung des axialen Abstands der Kontaktpunkte und damit zu einem Anstieg der effektiven Lagervorspannung.

Zu stark vom Nenndruckwinkel abweichende Druckwinkel können insbesondere bei hohen Drehzahlen zu erhöhten Gleitanteilen im Wälzkontakt, steigender Reibung und Temperaturentwicklung, größeren Unterschieden der Kugelumlaufgeschwindigkeiten, einer Reduzierung der Käfigtaschenluft sowie zu einer erhöhten Belastung der Käfigstege bis hin zum Käfigversagen führen. Eine wirksame Reduzierung dieser Effekte wird durch den Einsatz von Keramikwälzkörpern erreicht, da die geringere Dichte die Fliehkräfte deutlich reduziert und den Druckwinkel auch bei hohen Drehzahlen näher am Auslegungswert hält.

Mit zunehmender Drehzahl steigt bei vorgespannten Lagern die Steifigkeit infolge der erhöhten Vorspannung, insbesondere bei starr angestellten Lagerungen. Um die gleiche Systemsteifigkeit wie bei einem vergleichbaren Stahllager zu erreichen, ist bei Hybridlagern eine deutlich geringere Ausgangsvorspannung erforderlich. Daraus resultieren niedrigere Betriebstemperaturen, geringere Reibverluste und eine reduzierte mechanische Lagerbelastung.

Si3N4 Kugeln: Effekte auf Radialsteifigkeit

Aufgrund des höheren Elastizitätsmoduls von Siliziumnitrid weisen Hybridlager bei gleicher externer Belastung eine höhere radiale Kontakt- und Systemsteifigkeit als vergleichbare Stahlwälzlager auf. Die dargestellte Abhängigkeit der Radialsteifigkeit von der Drehzahlkennzahl dₘ·n, definiert als Produkt aus mittlerem Lagerdurchmesser dₘ und Drehzahl n, zeigt, dass die geringere elastische Verformung der Keramikwälzkörper insbesondere bei niedrigen und mittleren Drehzahlbeanspruchungen wirksam ist. Mit zunehmendem dₘ·n-Wert nimmt die effektive Lagersteifigkeit infolge steigender Fliehkräfte und systembedingter Verformungsanteile bei beiden Lagerarten ab, wobei Hybridlager über einen weiten Betriebsbereich ein höheres Steifigkeitsniveau aufrechterhalten.

Drehzahlkennwerte

Für bestimmte Lagertypen wird die Drehzahleignung meist angegeben über den Faktor aus mittlerem Lagerdurchmesser in mm und Drehzahl in Umdrehungen pro Minute (dm x n). Dadurch ist es möglich, die Drehzahleignung unabhängig der Lagergröße zu ermitteln. Als Beispiel dient ein Kugellager 6210 mit einem Innendurchmesser von 50 mm und einem Außendurchmesser von 90 mm. Der Drehzahlkennwert berechnet sich in diesem Fall aus (50 mm + 90 mm) / 2 x n

Wenn man nun davon ausgeht, dass Hybridlager über einen Drehzahlkennwert von bis zu 2.000.000 mm^-1 verfügen können (je nach Genauigkeit und Ausführung), sind Lager mit Kugeln aus 100Cr6 unter gleichen Bedingungen bei maximal 1.000.000 mm^-1 bereits an ihrem Limit. Solche Drehzahlkennwerte sind auch mit geeigneten Schmierfetten realisierbar. Im Fall des Rillenkugellagers mit der Größe 6210 bedeutet dies, bei entsprechender Genauigkeit und Käfigausführung, eine mögliche Drehzahlgrenze von bis zu 28.500 rpm im Hybridlager.

Hier gilt, je größer die Lagerbohrung, desto größer ist das Delta der Zentrifugalkraft zwischen Stahl und Si3N4 bei gleicher Geschwindigkeit bzw. je geringer werden die internen Kräfte und je höher die möglichen Vergleichsdrehzahlen.

Drehzahlkennwerte eines Keramik-Hybridlagers

Si3N4 Kugeln: Effekte auf Geschwindigkeit + Temperatur

Siliziumnitrid-Wälzkörper reduzieren aufgrund ihrer geringeren Dichte und der damit verbundenen niedrigeren Fliehkräfte die dynamischen Zusatzbelastungen im Lager, was insbesondere bei hohen dₘ·n-Werten zu geringeren Reibverlusten und einer verminderten Wärmeentwicklung führt. Die in der Abbildung dargestellte geringere Temperaturerhöhung von Hybridlagern bei gleicher Drehzahl resultiert aus einer stabileren elastohydrodynamischen Schmierfilmbildung sowie aus reduzierten Gleit- und Spinanteilen im Wälzkontakt. Dadurch können Hybridlager entweder bei gleicher Betriebstemperatur mit höheren Drehzahlen betrieben oder bei gleicher Drehzahl mit einer deutlich niedrigeren thermischen Belastung ausgelegt werden, was sich positiv auf Schmierstoffstabilität, Lagerluft und Lebensdauer auswirkt.

Keramikkugeln für höhere Drehzahleignung

Durch den Einsatz von Siliziumnitrid-Wälzkörpern werden die im Lager wirkenden Zentrifugalkräfte aufgrund der geringeren Masse deutlich reduziert. Da die Zentrifugalkraft proportional zur Masse und zum Quadrat der Drehzahl ist, steigen die dynamischen Zusatzbelastungen bei Stahlwälzkörpern mit zunehmender Drehzahl wesentlich stärker an. Hybridlager ermöglichen dadurch entweder höhere zulässige Drehzahlen oder einen Betrieb mit geringerer mechanischer und thermischer Beanspruchung bei gleicher Drehzahl.

Keramikkugeln für höhere Drehzahleignung

Höhere Fettgebrauchsdauer und vereinfachte Schmierungsbedingungen

Dadurch werden fettgeschmierte Hybridlager bei entsprechenden Anforderungen an die Lagergenauigkeit und die Käfigausführung auch für Anwendungen interessant, in denen bislang Minimalmengenschmierung oder Ölschmierung eingesetzt wurde. Ursache hierfür ist die deutlich geringere thermische und mechanische Beanspruchung des Schmierfetts im Betrieb. Diese resultiert aus reduzierten internen Kräften infolge des geringeren spezifischen Gewichts der Keramikwälzkörper, kleineren Kontaktzonen sowie der hohen Oberflächengüte von Siliziumnitrid, wodurch Scherung, Walkarbeit und Ölabscheidung des Schmierfetts deutlich reduziert werden.

In der Praxis führt dies zu einer signifikant verlängerten Fettgebrauchsdauer, die weitgehend unabhängig vom verwendeten Schmierfett im Mittel um etwa den Faktor drei höher liegt als bei vergleichbaren Lagern mit Stahlwälzkörpern. Dadurch lassen sich Schmierintervalle verlängern, Wartungsaufwand reduzieren und einfachere Schmierungskonzepte realisieren.

Ein Lager unter optimalen Bedingungen

Unter optimalen Betriebsbedingungen wird das tribologische Verhalten eines Wälzlagers maßgeblich durch die Oberflächenrauheiten von Laufbahn und Wälzkörper bestimmt. Typische Stahl-Laufbahnen und Stahlkugeln weisen vergleichsweise höhere Rauheiten auf, während Siliziumnitrid-Kugeln aufgrund ihrer feinen, homogenen Mikrostruktur deutlich glattere Oberflächen erreichen.

Für die Bewertung des Schmierzustands ist dabei nicht die einzelne Rauheit entscheidend, sondern die effektive kombinierte Rauheit des Wälzkontakts. Eine deutliche Reduktion der Kugelrauheit senkt die resultierende Kontaktrauheit überproportional. Eine stabile Misch- oder elastohydrodynamische Schmierung wird erreicht, sobald die minimale Schmierfilmdicke etwa das 1,5-fache der CSR überschreitet. In der Praxis reduziert sich die hierfür notwendige Schmierfilmdicke typischerweise um etwa 30 %, was insbesondere bei ungünstigen Schmierbedingungen, erhöhten Temperaturen oder niedrigen Drehzahlen zu einer deutlichen Minimierung von Reibung und Verschleiß führt.

Si3N4 Kugeln: Effekte auf das Spin/Roll Verhältnis

Spin/Rollverhältnis bei Kugellagern

Das Spin/Rollverhältnis beschreibt das Verhältnis der Spinbewegung (Drehbewegung der Kugeln um ihre eigene Achse) zur Rollbewegung (Bewegung der Kugeln entlang der Laufbahn des Lagers).

Ein niedrigeres Spin/Rollverhältnis ist vorteilhaft, da es folgende Vorteile bietet:

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    Weniger Reibung: Eine überwiegende Rollbewegung erzeugt weniger Reibung als Spinbewegung. Dies führt zu geringerer Wärmeentwicklung und effizienterem Betrieb.

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    Geringerer Verschleiß: Weniger Spin bedeutet weniger Reibung zwischen den Kugeln und den Laufbahnen, was den Verschleiß verringert und die Lebensdauer des Lagers verlängert.

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    Bessere Schmierung: Bei einem niedrigen Spin/Rollverhältnis bleibt das Schmiermittel effektiver an den Kontaktstellen, was die Schmierwirkung verbessert und die Reibung weiter reduziert.

  • Ein hohes Spin/Rollverhältnis kann hingegen zu erhöhtem Verschleiß und höherer Reibung führen, was die Effizienz und Lebensdauer des Kugellagers negativ beeinflusst. Daher wird ein niedriges Spin/Rollverhältnis angestrebt, um die Leistungsfähigkeit und Langlebigkeit zu optimieren.

    Kugeln: Effekte auf das Spin/Roll Verhältnis

    Betriebsverhalten von Hybridlagern unter realen Belastungsbedingungen

    Die Diagramme zeigen, dass Hybridlager mit Siliziumnitrid-Kugeln selbst bei beschädigten Laufbahnen, kontaminierter Schmierung und erhöhten Anregungen deutlich höhere Ermüdungslebensdauern und geringeren Laufbahnverschleiß als konventionelle Stahllager aufweisen. Ursache hierfür sind die hohe Härte, die ausgezeichnete Oberflächengüte und das günstige tribologische Verhalten der Keramikwälzkörper, wodurch lokale Spannungsüberhöhungen, abrasiver Verschleiß und Schadensfortschritt wirksam reduziert werden. Gleichzeitig führen die gleichmäßigere Kontaktkinematik und die geringere Anregung im Wälzkontakt zu signifikant niedrigeren Vibrationsniveaus, selbst unter kontaminierten oder vorgeschädigten Betriebsbedingungen

    Die Rentabilität von Keramiklagern zeigt sich, wenn man folgende Kosten zusätzlich berücksichtigt:

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      Konstruktionskosten

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      Herstellungskosten

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      Betriebskosten (Funktionssicherstellung, Schmierstoffkosten etc.)

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      Reparaturkosten (Ausfallwahrscheinlichkeit, Fettgebrauchsdauer, Ersatzteilkosten etc.)

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      Product Carbon Footprint (Klimabilanz auf Produktebene; insb. Nutzungsphase)

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      Kosten für Ausfallzeiten

    • Rentabilitätswahrscheinlichkeit von Hybridlager

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